Nostalgiekram – Nostale – Stille Wasser sind tief

Nostalgiekram – Nostale – Stille Wasser sind tief

Juni 24, 2019 0 Von Henri Briese

Eine Weile ist vergangenen, seitdem der erste Teil dieser Kolumne seine Premiere gefeiert hat. Ich war mir nicht sicher, was am Besten geeignet wäre für einen würdigen Nachfolger. Bis ich mich schlussendlich dazu entschied, es mir sehr einfach zu machen. Die simpelste Lösung, war es so, wie angekündigt vorzugehen. Mit dem Anime-Abenteuer was mich nicht nur von der Grundschule, bis hin zur achten Klasse gefesselt hat. Auch heute schaue ich gerne ab und zu noch in die farbenfrohe Welt von Nostale.

In Nosville beginnt es für jeden Abenteurer. In den Feldern fängt man sich bei der ersten Quest sogar selbst sein eigenes Huhn, während man sich mit fliegenden Samen, auch “Dander” genannt prügelt.

Kreativ und erheiternd

Das quitschbunte Spiel aus dem Hause Gameforge hat seinen ganz eigenen Charme. Anstatt hier direkt in eine düstere Welt von Krieg, Mord und Totschlag geworfen zu werden, findet man sich zu Beginn in Nosville wieder. Einer idyllischen Stadt, besiedelt von Personen, die zumeist als Questgeber dienen. Ihre Namen scheinen aus dem Buch „Alliterationen für Anfänger“ zu stammen. Denn genau das ist hier an der Tagesordnung: Mimi Mentor, Calvin Coach oder Eva Energy. Der herausragende Kracher ist natürlich das Brüderpaar Theodor und Theomann Topp – Quasi “On the Top(p).”

Durch einen guten Freund kam ich bereits in der vierten Klasse, also im Alter von ca. Zehn Jahren das erste Mal mit Nostale, dem beliebten MMORPG aus Korea in Kontakt. Es hatte mich, wie es sich später herausstellen sollte, weitaus mehr als ihn begeistert. Mir gefiel der Aufbau und der Witz des Spiels. Anstatt brutaler, mächtiger Kreaturen, mit unnötigem Firlefanz, ist dein erster Begleiter ein Huhn. – Richtig, einfach nur ein Huhn. Profan, aber irgendwie sympathisch. So auf seine ganz eigene Art und Weise. Danach folgte ein Schaf, auch „Wollie“ genannt und später war man der Größte, wenn sich ein Fuchs mit in die Sammlung einreihte. Alle aufbewahrt in dem eigenen Miniland, was treffenderweise genau diesen Namen trug. – „Miniland

NostaleHuhn
Ein Huhn als bester Freund des Menschen. Es wird gejagt, geliebt und gefeiert.

Nostale – Ein Paradies am Bildschirm

Ich verbinde mit Nostale besondere Geschichten. Es war das Spiel, für das ich in den Schulferien direkt nachdem meine Eltern zur Arbeit fuhren, aufgestanden bin. Ein kluger Schachzug meines jungen Ichs und dazu noch perfekt geplant. Ich hatte Sechs stunden Zeit, in der Ich ohne jegliche Beschwerden einfach nur zocken konnte. Dazu noch eine gewaltige Ladung Toastbrot mit einer dicken Schicht Nutella zum Frühstück und daneben flimmerten American Pie, Folgen von South Park und andere Dinge, die damals als unfassbar cool galten auf dem Bildschirm unseres zweiten PC’s.

Ein zusätzlicher Faktor, war die Freundlichkeit, die eine Großzahl der Spieler an sich hatte. Schaut man sich die heutige Generation von Gamern an, die es vorzieht, direkt schlecht über die Mutter oder andere Verwandten des Gegenübers zu reden, dann ist das schon ein Unterschied zwischen Welten. Bei einer meiner vielen Morgen-Sessions hatte ich eine Begegnung mit einem Spieler. Wir verstanden uns prächtig, schon nach wenigen Minuten. Redeten über Musik und tauschten gegenseitig Songs aus, die uns gefielen. Nach einer halben Stunde war unsere virtuelle Freundschaft schon soweit fortgeschritten, dass wir weitaus tiefgründigere Themen besprachen.

NostaleCrowd
Zu Hoch-Zeiten tummelten sich auf den Servern eine riesige Menge an Spielern. Auch für gute Computer war es dann schwierig, die vielen Charaktere ohne Ruckeln wiederzugeben.

Wie aus heiterem Himmel

Es ging um die Familie meiner Nostale-Bekanntschaft, die wohl gerade im Begriff stand, in die Brüche zu gehen. Streit zwischen den Eltern und die dadurch folgende Scheidung belastete die Kinder sehr. Dieses überraschend schnell voranschreitende Gespräch setzte sich soweit fort, dass er es schaffte mich komplett sprachlos zu machen. Er erzählte mir, dass er sich bereits des Öfteren geritzt hatte. Alles nur um den stechenden Schmerz, den die anstehende Scheidung seiner Eltern in seinem Herz verursachte, taub werden zu lassen.

Nun einmal, nur zur Klarstellung. Ich saß dort als „kleiner“ Junge von knapp 11 Jahren und war mit solch einem Thema konfrontiert. Das grundlegende Bedürfnis, Anderen zu helfen hatte ich natürlich. Doch dafür hatte ich zu der damaligen Zeit nicht ansatzweise die Erfahrung, um mich in so eine Situation hineinzuversetzen.  Ich versuchte einfach meine primitive Sichtweise zu vertreten und habe versuch, den Gesprächs-Fokus wieder auf andere Themenbereiche zu legen, in Hoffnung den vorherigen Zustand wiederherzustellen. Aber so sehr ich es auch versuchte, wollte es mir nicht gelingen. Und so fand ich innerhalb eines Vormittages einen Freund, den ich durch eigenes Verschulden und kindliche Unvermögenheit wieder verlor.

Beitragsbilder: Rechte an Gameforge